EU und Nicht-EU Länder


Die EU-Frühstücksrichtlinie bringt Klarheit beim Supermarkthonig

Ab dem 14. Juni 2026 müssen Honigmischungen ihre Herkunftsländer genau benennen. Hier erfährst du, was sich bei der Honigverordnung ändert und worauf du beim Kauf achten solltest.


Schluss mit dem Rätselraten. Was wirklich im Supermarkt-Honigglas steckt.


Juni 2026. Nächste Woche, genauer gesagt am 14. Juni, tritt eine Neuerung in Kraft, auf die Honigliebhaber und Imker so lange gewartet haben: Die neue EU-Frühstücksrichtlinie. Was das für euch bedeutet, sowohl im Supermarktregal, als auch auf dem Frühstückstisch möchte ich hier erläutern.

Transparenz beim Honigkauf – Schluss mit dem Blindflug
Ihr kennt das vielleicht: Ihr steht im Supermarkt, nehmt ein Glas Honig in die Hand und auf dem Etikett steht als Herkunft lediglich: "Mischung von Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern". Da fragt man sich doch unweigerlich: Woher kommt das süße Gold denn nun wirklich? Aus Spanien? Aus Asien? Von überall ein bisschen? Für uns Verbraucher war der Honig aus dem Einzelhandel bisher eine Blackbox.

Viele Jahrzehnte stand bei der Vermarktung im Großhandel oft der Preis im Vordergrund, weniger die genaue Herkunft. Das hat sich zum Glück gewandelt! Viele von euch möchten heute genau wissen, was sie essen, wie die Lieferketten aussehen und woher die Lebensmittel kommen. 😍


Der Startschuss für mehr Ehrlichkeit: Was genau ändert sich jetzt?

Damit dieser Blindflug ein Ende hat, hat die EU die sogenannte Frühstücksrichtlinie (und damit verbunden auch unsere nationale Honigverordnung) überarbeitet. Ab dem 14. Juni 2026 gibt es neue, sehr viel strengere Regeln für die Kennzeichnung solcher Honigmischungen.

Die wichtigsten Neuerungen für euch im Überblick:
- Genaue Herkunftsländer: Die Ursprungsländer des Honigs müssen nun konkret und namentlich benannt werden - und zwar vorne im Hauptsichtfeld (nicht mehr versteckt auf der Rückseite).
- Absteigende Reihenfolge: Die Länder müssen nach ihrem Gewichtsanteil absteigend sortiert auf dem Etikett stehen. Das Haup-Herkunftsland steht also ganz vorne.
- Genaue Prozentsätze: Es muss (mit einer kleinen Toleranzspanne von 5 Prozent) genau angegeben werden, wie viel Prozent des Honigs aus welchem Land stammen.
(Eine kleine Ausnahme gibt es: Bei winzigen Gläschen unter 30 Gramm, wie man sie manchmal beim Frühstück im Hotel findet, dürfen die Hersteller aus Platzgründen auf einen Zwei-Buchstaben-Ländercode ausweichen).

Außerdem verschwindet der Begriff "gefilterter Honig" komplett aus der Verordnung. Stattdessen gibt es strengere Definitionen für den "Backhonig". Das ist Honig, der für industrielle Zwecke oder zum Backen gedacht ist. Dieser darf auch mal fremdartig riechen, erhitzt worden sein oder so stark verarbeitet sein, dass ihm die wertvollen Pollen entzogen wurden. Dieser Honig muss dann aber zwingend den klaren Hinweis "nur zum Kochen und Backen" tragen.

Demokratischer Prozess oder gesetzliche Anordnung?
Anders als bei unseren Bienen, die auf faszinierende Weise demokratisch über ihren Schwarmprozess abstimmen, ist diese neue Kennzeichnung eine klare, gesetzliche Anordnung von oben! Die EU hat erkannt, dass Transparenz für uns Verbraucher extrem wichtig ist, und will so ganz gezielt Lebensmittelbetrug eindämmen. Honig gehört weltweit leider noch immer zu den Lebensmitteln, die am häufigsten gefälscht oder gestreckt werden. Durch verbesserte Kontrollen und eine lückenlose Rückverfolgbarkeit soll dem nun ein Riegel vorgeschoben werden. 

Als Honigsachverständige begrüße ich das natürlich total! Im letzten und auch in diesem Jahr war mein Honig zur Qualitätssicherung im Labor, dieses Jahr lasse ich zusätzlich zur Bestimmung von Enzymaktivität, Wassergehalt und HMF-Wert auch eine Pollenanalyse machen. Ich möchte wissen, dass die botanische Herkunft und Enzymqualität meines Honigs top sind. Wenn wir Imker diesen Aufwand betreiben, ist es nur fair und logisch, dass auch Großabfüller ihre Karten auf den Tisch legen müssen! 😉

Fazit für euch - worauf achte ich beim nächsten Einkauf?
Die neuen Etiketten werden nun nach und nach im Handel auftauchen. Es gibt eine Übergangsfrist: Gläser, die vor dem 14. Juni abgefüllt und etikettiert wurden, dürfen noch abverkauft werden. Ihr habt also in Zukunft die volle Kontrolle und könnt genau sehen, ob in eurem Honig 80 % Honig aus Südamerika und 20 % aus Europa stecken.

Das Abwarten und Rätselraten vor dem Supermarktregal hat also ein Ende!

Natürlich bleibt mein persönlicher Tipp an euch: Wenn ihr Honig direkt bei der Imkerei eures Vertrauens um die Ecke kauft, braucht ihr euch um all diese Prozentsätze auf dem Etikett gar keine Gedanken machen. Da wisst ihr immer, an welchen Blüten die Bienen in eurer Heimat gesammelt haben, und ihr unterstützt gleichzeitig die Bestäubung direkt vor eurer Haustür.

Wer mehr über die spannenden Qualitätsmerkmale von Honig wissen möchte, darf mich auch gerne beim nächsten Honig-Tasting ansprechen - ich habe nochmal neue Termine im Juli und Oktober nachgelegt. 


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