Die Etablierung der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina) in NRW ist keine Prognose mehr – sie ist Realität. Doch es geht hier nicht nur um den Schutz von Honigbienen. Die invasive Art bedroht unsere heimische Artenvielfalt durch massiven Insektenfraß, verursacht ökonomische Schäden im Obst- und Weinbau und schafft neue Gefahrenquellen im Siedlungsbereich und am Arbeitsplatz.
Dieses Dossier ersetzt Spekulationen durch Fakten. Es liefert evidenzbasiertes Wissen aus 20 Jahren Forschung – kompakt aufbereitet für euch Rösrather Bürger, gefährdete Berufsgruppen und Entscheidungsträger. Informiere dich jetzt, um Risiken richtig einzuschätzen und besonnen zu handeln.
Für Beschäftigte in der Grünen Branche und im Bauwesen besteht eine neue Gefährdungslage. Herkömmliche Schutzkleidung reicht oft nicht aus.
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Arbeiten Sie im Gartenbau, in der Landschaftspflege, in der Gebäudereinigung oder an Gebäudefassaden? Die Asiatische Hornisse baut ihre Nester oft bodennah in Hecken oder versteckt unter Dachüberständen. Lesen Sie hier, welche Risiken für Ihre Berufsgruppe besteht und wie Sie sich schützen.
Wichtiger Hinweis vorab: Versuchen Sie nie, eigenständig und ungeschützt, ein Nest zu entfernen!
Garten- und Landschaftsbau (GaLaBau): Die größte Gefahr geht von Primärnestern aus. Diese handballgroßen Nester befinden sich oft bodennah in Hecken, Sträuchern oder Schuppen. Beim mechanischen Heckenschnitt oder Mäharbeiten entstehen Erschütterungen, die sofortige Massenangriffe auslösen.
Dachdecker & Fassadenbauer: Die Asiatische Hornisse nutzt gerne Dachüberstände oder Hohlräume hinter Fassaden für ihre Nester. Handwerker auf Leitern oder Gerüsten haben bei einem plötzlichen Kontakt kaum Fluchtmöglichkeiten.
Forstwirtschaft & Kommunale Betriebe: Unfälle bei Rodungsarbeiten sind dokumentiert, da Nester im Dickicht oft übersehen werden.
Alle Berufsgruppen mit Arbeiten im Freien, in der Natur, an Haus (außen), Dach oder Fassaden!
Die unsichtbare Gefahr: Im Gegensatz zu den großen Nestern in Baumwipfeln sind die Primärnester im Frühjahr/Frühsommer oft perfekt getarnt und befinden sich auf Kopf- oder Arbeitshöhe.
Extremes Verteidigungsverhalten: Vibrationen (Motorgeräte) werden als direkter Angriff gewertet. Die Hornissen verteidigen ihr Nest aggressiv im Kollektiv und verfolgen Eindringlinge auf bis zu 20 Meter.
Gefahr für die Augen (Gift-Projektion): Die Asiatische Hornisse kann Gift oder Darminhalt gezielt in das Gesicht eines Angreifers spritzen. Dies führt zu sofortigen Augenverletzungen, Hornhautentzündungen und langanhaltenden Schmerzen.
Sichtprüfung vor Arbeitsbeginn: Prüfen Sie Hecken und Arbeitsbereiche vor dem Einsatz von Maschinen optisch auf Flugbetrieb.
Richtige PSA (Augenschutz!): Herkömmliche Imkerhauben oder Netzvisiere bieten keinen Schutz gegen das verspritzte Gift, da die Flüssigkeit hindurchdringt. Dicht schließende Schutzbrillen sind bei Arbeiten im Nestbereich zwingend erforderlich.
Keine eigenmächtige Entfernung: Versuchen Sie niemals, ein Nest mit dem Wasserschlauch, Wespenspray oder mechanisch zu entfernen. Dies ist lebensgefährlich und provoziert massive Angriffe. Zudem ist die Beseitigung ohne Genehmigung illegal.
Die Gefahr befindet oft in Kniehöhe (Primärnester): Im Frühjahr und Frühsommer (April bis Juli) befinden sich ca. 70 % der Nester nicht hoch im Baum, sondern in direkter Bodennähe oder an Gebäuden. Das macht sie für Gärtner so gefährlich, da sie beim Arbeiten oft übersehen werden. Typische Fundorte:
- Hecken & Sträucher: Besonders beliebt sind dichte Hecken (Thuja, Kirschlorbeer) in Bodennähe.
- Garten-Strukturen: In Schuppen, unter Dächern von Gartenhäuschen, in Vogelkästen, leeren Blumentöpfen oder unter Abdeckplanen.
- Am Haus: In Rollladenkästen oder Dachüberständen.
Gefahr für Dachdecker: Später im Jahr (ab Sommer) können Sekundärnester auch in Hohlräumen hinter Fassaden oder direkt unter Dachüberständen hängen, wo Handwerker auf Leitern keine Fluchtmöglichkeit haben.
Stärkerer Schmerz und hohes Allergie-Risiko: Ein Stich ist für Nicht-Allergiker meist nicht lebensgefährlich, wird aber oft als schmerzhafter empfunden als ein Wespenstich, da der Stachel länger ist und mehr Gift injiziert wird.
Kreuzallergie: Das größte Risiko besteht für Menschen mit einer Wespenallergie. Aufgrund der sehr ähnlichen Giftstruktur reagieren Wespenallergiker mit hoher Wahrscheinlichkeit (Kreuzreaktivität) auch auf die Asiatische Hornisse allergisch – bis hin zum anaphylaktischen Schock.
Massenstiche: Da bei einem Nestangriff oft Dutzende Tiere stechen, kann die Giftmenge auch bei gesunden Menschen zu Kreislaufproblemen führen.
1. Frühjahr (April bis Juni):
Typ: Embryonal- oder Primärnest (Größe: Tennisball bis Handball).
Ort & Höhe: Fast immer bodennah oder in Arbeitshöhe! Beliebt sind dichte Hecken, Schuppen, Dachüberstände, Carports oder sogar ungenutzte Grillgeräte.
Gefahr: Extrem hoch für Gärtner, da die Nester beim Schneiden übersehen werden.
Population: Startet mit einer Königin, wächst bis Juni auf ca. 50–100 Tiere an.
2. Sommer & Herbst (Juli bis November): Das Sekundärnest
Typ: Großes Filialnest (Größe: Medizinball bis 1 Meter Durchmesser).
Ort & Höhe: Meist Umzug in hohe Baumkronen (über 10 Meter). Aber Vorsicht: Etwa 30 % der Völker bleiben unten oder nisten an Gebäudefassaden.
Gefahr: Hoch für Baumpfleger, Forstarbeiter und Dachdecker.
Population: Explosionsartiges Wachstum. Durchschnittlich 6.000 Tiere pro Volk, in der Spitze bis zu 13.000 Individuen (davon bis zu 2.000 gleichzeitig flugfähig).
3. Winter (ab Dezember): Das Ende
Zustand: Das alte Nest stirbt ab. Die Jungköniginnen haben das Nest verlassen und überwintern in Totholz oder im Boden.
Wichtig: Leere Nester werden im nächsten Jahr nicht wiederbesiedelt.
Ja. Normalerweise gründet die Königin ein Primärnest in geschützter Bodennähe (z.B. Schuppen, Hecken) und das Volk zieht später für das Sekundärnest in hohe Baumwipfel um. Es gibt jedoch Ausnahmen. Manchmal zieht das Volk nicht um, sondern baut das Primärnest einfach an Ort und Stelle zum großen Sekundärnest aus.
Aktive Bodenbesiedlung: Es gibt Berichte, insbesondere aus Frankreich, dass Völker Hohlräume im Boden (z.B. alte Mäuse- oder Kaninchenbauten) nutzen.
Häufigkeit: Während sie meist als "selten" gelten, berichteten französische Hornissenjäger (z.B. im Departement Landes) in bestimmten Jahren (wie 2021) von einer ungewöhnlichen Häufung solcher Erdnester.
Sekundärnester: Diese Nester können im Boden oder direkt auf Bodenniveau in Büschen riesige Ausmaße erreichen (bis zu einem Meter Durchmesser).
Besondere Gefahr: Für Gärtner und Landschaftspfleger sind diese Nester sehr gefährlich:
Vibrationen: Da das Nest direkten Kontakt zum Erdreich hat, spüren die Tiere Schritte oder Mähmaschinen viel früher und intensiver als bei einem freihängenden Nest.
Keine Fluchtmöglichkeit: Wer versehentlich auf den Eingang tritt oder mit dem Rasenmäher drüberfährt, steht sofort mitten im aggressivsten Verteidigungsbereich des Volkes.
Sofort Rückzug: Bei Kontakt sofort den Gefahrenbereich verlassen.
Bei Stichen: Kühlen. Der Stich ist schmerzhafter als bei Bienen.
Allergie-Check: Es besteht eine sehr hohe Kreuzreaktivität. Wer auf heimische Wespen allergisch ist, reagiert mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf die Asiatische Hornisse.
Notruf 112: Bei Atemnot, Schwindel oder Übelkeit sofort den Notarzt rufen.
Hier nur einige Bespiele, wo und wie Vespa Velutina zukünftig in Erscheinung tritt.
Sei es in der Erde, im Schuppen, am Grill, im Stromkasten oder in der Hecke.
Gefahr bei Gartenarbeiten: Nester direkt am Erdboden werden oft zu spät bemerkt.
Anpassungsfähigkeit: Die Hornisse nutzt technische Infrastrukturen in unmittelbarer Nähe zum Menschen.
Für Rösrath sprechen Sie Jutta Kalff an:
Internetseiten für sehr gute, weiterführende Informationen und Kontakt
Informationsportal eines Zusammenschlusses fachkundiger engagierter, Ehrenamtlicher. Darunter Behördenmitarbeiter, Imker, Hornissenberater, Wissenschaftler und viele mehr: https://velutina-army.de
PDF-Flyer des Rheinisch-Bergischen Kreises mit Kontaktdaten und Übersicht der allgemeinen Informationen und Verhaltensregeln.
Kontakte zu den Ämtern:
Veterinäramt des Rheinisch-Bergischen Kreises: artenschutz@rbk-online.de
Zuständige Behörde: Untere Naturschutzbehörde
Am Rübezahlwald 7, 51469 Bergisch Gladbach
Telefon 02336/93 0
Ansprechpartner bei der Kreisverwaltung sind
Marlen Wildenhues, Tel.: 02202 13-6814 und Wilfried
Knickmeier, Tel.: 02202 13-6798.
Liste der aktuell ehrenamtlich Helfenden im Hornissen- und Wespenschutz des Rheinisch-Bergischen Kreises (PDF):
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1. Bild (links): Europäische Hornisse Vespa crabro: geschütztes Tier, darf nicht gefangen oder getötet werden.
Grundfärbung: rotbraun (Kopf, Brust, Beine), Hinterleib: gelb mit dunkler Zeichnung, Gesicht: gelb
Nest: Größe bis 60 cm, 5 bis 8 Waben, bevorzugt in geschützten Höhlen, unten große Öffnung / Flugloch unten
Volksgröße: 400-700 Tiere
Besonderheiten: Tag- und Nachtaktiv (Fliegt künstliche Lichtquellen an).
2. Bild (rechts): Asiatische Hornisse Vespa velutina nigrithorax: invasive Art
Grundfärbung: schwarz; Beine gelb, Hinterleib: schwarz mit orange-gelbem Bereich, Gesicht: orange
Nest: Größe bis 100 cm, 4 bis 10 Waben, Bevorzugt freihängend, im Frühjahr in Büschen oder Hecken, im Sommer in hohen Bäumen, Flugloch seitlich
Volksgröße: 1.000 bis 2.000 Tiere
Besonderheiten: nur Tagaktiv, besondere Flugfähigkeiten, steht in der Luft und kann rückwärts fliegen.
Die signifikanten Unterschiede bei einzelnen Tieren sind also klar die Farbe des Körpers und vor allem der Füße, und die Flugeigenschaften.
Hinweis für Jäger:
Dieser Artikel der Saarjäger fasst die Besonderheiten im Vergleich zur Europäischen Hornisse gut zusammen.